Thementage MBF Dessau 2012 /2014

Am 10.Mai 2014 fand ein 2.Thementag im Technikmuseum „Hugo Junkers“ statt. Das Technikmuseum hat uns auch diesmal die Räumlichkeiten großzügig zur Verfügung gestellt. In Ergänzung der Veranstaltung von 2012 standen die persönlichen Gespräche zwischen den ehemaligen Mitarbeitern im Vordergrund. Die Dessauer Firma Merkel hat uns in Kopplung mit Frau Beeg gastronomisch versorgt, dafür unseren Dank. Auch diesmal konnten wir weit gereiste Gäste begrüßen. Ein kurzer Einführungsvortrag zur Technikgeschichte in Dessau vom Vorsitzenden des Technikmuseums Herrn Kuras konnte auf die Veranstaltung einstimmen. Herr Kuras hat auch an die besondere Bedeutung der ehemaligen Magnetbandfabrik für Dessau erinnert. Das Technikmuseum und das kleine Rundfunkmuseum wurden uns von Herrn Beeg und Herrn Berger vorgestellt, dafür auch unseren Dank. Die Veranstaltung war ähnlich besucht wie 2012 und es wurde der Wunsch  nach Wiederholung in angemessener Zeit zum Ausdruck gebracht. Für das große Interesse bedanken sich die Veranstalter. 

Am 6.Oktober 2012 trafen sich im Technikmuseum „Hugo Junkers“ ehemalige Mitarbeiter und Gäste von der Akademie der Wissenschaften der DDR und von Partnerfirmen der MBF im Technikmuseum „Hugo Junkers“ Dessau zum Themenabend „Magnetbandfabrik Dessau“. In der Mitteldeutschen Zeitung und im örtlichen Fernsehen Ran1 wurde berichtet. Hier Ausschnitte aus dem Eröffnungsvortrag (Kl.Köhler):

Sehr verehrte Damen und Herren, verehrte ehemalige Kolleginnen und Kollegen,           die Anfänge der MBF, der Magnetbandfabrik in Dessau, die zunächst keiner und anfangs keiner hier in Dessau haben wollte. Aber Anfang und Ende werden recht oft gesetzt, meist ohne unser Zutun. Das Dazwischen fü̈llen wir dann aus. Für diejenigen, die von Anfang an dabei waren, sind ca.25 Jahre mehr als ein halbes Berufsleben, bei manchen von uns war es schon das ganze.In dieser Zeit haben wir uns eingebracht mit Arbeit, (klar, dafür wurden wir entlohnt) mit Ideen und auch mit einem enormen Aufwand. Wir hatten beruflichen Erfolg und Misserfolg. In dieser Zeit waren wir glücklich mit Menschen zusammen und haben Enttäuschungen erlebt. Es war ein Teil unseres Lebens. Und immer ist es für uns wichtig, wie wir von anderen gesehen werden. Da ist auch das Ende einer solchen Periode bedeutungsvoll: ob man mit freundlichen Worten verabschiedet und in eine neue Tätigkeit hinüber geleitet wird, oder einfach nicht mehr benötigt und gleichsam wie ein alter Putzlappen entsorgt wird. Da bin ich aber bereits am Ende angelangt und ich sollte doch von den Anfängen reden.

 

Aber festhalten will ich: emotionslos kann niemand von uns Ehemaligen aus dieser Zeit berichten; das möchte ich auch für mich in Anspruch nehmen.

Mitte der 60-ziger Jahre erhielten vorrangig die Großbetriebe in der DDR Rechentechnik in Form von Rechenzentren. Aber besonders die Militärs brauchten für die Luftabwehr und für die Bahnberechnung interkontinentaler Raketen Rechentechnik und für die Datenspeicherung Magnetband. Das bis dahin verwendete Magnetband für die analoge Tonspeicherung war dafür nur bedingt geeignet, ein spezielles Datenband in 12,7 mm Breite für digitale Signalaufzeichnung auf speziellen Datenbandspeichern wurde international dafür verwendet. Das wurde nun in zunehmendem Maße in der DDR und im RGW gebraucht und gefordert….

1969 erhielten wir ein gekauftes Know-How. Das war keine Offenbarung für uns und half auch nicht bei der Lösung der anstehenden Probleme. Es war eher eine Bestätigung, was wir wussten…..

Die Grundsteinlegung für diese Fabrik erfolgte im Frühjahr 1970. Mit dem ersten Spatenstich landete man im Oberflächenwasser auf matschigem Lehmboden der Brachmeierei, dem späteren Standort der MBF, und verkündete, dass in einem Jahr an dieser Stelle ein hochmoderner Betrieb laufen werde. Ein anwesender Kollege kommentierte das hinter vorgehaltener Hand: „das einzige, was im nächsten Jahr hier laufen wird, ist Wasser“, er hatte Recht….

Die Magnetbandproduktion begann in der MBF mit dem Jahreswechsel 1972/73, das erste Computerband mit nur 6 einfachen Dropouts wurde im März 73 produziert. Von da an ging es langsam aufwärts. Es war ein mühsamer Weg. Aber zwei Jahre später als geplant und verkündet. Und da sich Partei und Politik nicht irren konnten, die Zielstellung demnach real gewesen sein musste, wurden andere Ursachen gefunden. Für schuldig an der verspäteten Fertigstellung, der verspäteten Produktionsaufnahme und für die schlechte anfängliche Ausbeute wurden 3 Kollegen aus der vorderen Reihe befunden, die in einem heimlichen Prozess für Wirtschaftsvergehen, Sabotage und Spionage zu langjährigen Haftstrafen verurteilt wurden.

Soweit ich das beurteilen kann, und ich kann es für den Verfahrensträger beurteilen; denn niemand von uns anderen hat so intensiv an der Behebung von Störungen und erfolgreich an der Lösung von Problemen gearbeitet, wie er. Die 8 Jahre, die jeder von ihnen in Bautzen absitzen musste, waren Unrecht. Ich weiß nicht, ob sie jemals rehabilitiert wurden. Zwei von ihnen sind inzwischen verstorben.

Auch das gehört zu den Anfängen der MBF.

Zum Schluss ein Resümee

Die MBF hat lange als einzige Fabrik die Rechentechnik der DDR und des gesamten RGW mit Datenbändern beliefert, allerdings wurden diese nur in einer Linie und nicht, wie geplant, in 2 Linien produziert. Die zweite Linie wurde später mit Maschinen und Ausrüstungen bestückt, um darauf Audio- und Videobänder herzustellen.

Wir Ehemaligen dürfen auch ein klein wenig stolz darauf sein, jeder einzelne, der irgendwo und irgendwie dazu beigetragen hat, mit den Mitteln und den Rohstoffen, die wir hatten, und den ewigen Engpässen, die wir verwalten durften, unter den Möglichkeiten und Zwängen, in denen wir uns bewegen durften, mussten. Und zum Schluss meine Damen und Herren, war es wie am Anfang,

Keiner wollte die MBF haben.

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4 Antworten auf Thementage MBF Dessau 2012 /2014

  1. Kühne, Hartmut sagt:

    Habe seit dem Jahr 1971 in der MBF beim Aufbau mitgearbeitet, als Elektromonteur, wir haben damals mit „Westmonteueren“ von Honeywell die Schalträume und Stationen 110 KV sowie die Statinen I bis IV aufgebaut.
    Anschliessend habe ich als Schichtelektriker in der „A – Schicht“ gearbeitet.
    Meine Abteilungsleiter waren Helmut Bergmann und Joachim Krumnow.
    Als die MBF demontiert wurde standen mir wirklich die Tränen in den Augen, da man ja sein „Herzblut“ gelassen hatte und dieses alles zerstört wurde.
    Ich war gern bis 1990 in diesem Betrieb und würde mich freuen mal mit einem Bekannten von damals Kontakt aufnehmen zu können.

    Mit freundlichen Grüßen

    Hartmut Kühne

    • Hallo Herr Kühne,

      danke für Ihren Beitrag. Die Veranstaltung 2012 war sehr gut besucht und wurde von vielen Ehemaligen begrüßt. Deshalb haben wir uns für ein weiteres Treffen am 10.Mai 2014 wiederum im Technikmuseum Dessau entschlossen. 2012 hatte ich ein umfangreiches Programm angeboten, neben der Einführungsrede von Herrn K.Köhler wurden mehrere Videos gezeigt, beginnend mit der Glanzzeit der Firma bis zum Abriss einschließlich der Rolle der Treuhand…

      Im April wollen wir uns treffen, um den Ablauf für den 10.Mai abzustimmen. Mitarbeiter sind erwünscht. Falls Sie Interesse haben melden Sie sich bitte. Auf alle Fälle freuen wir uns, wenn möglichst viele für mündliche Werbung sorgen und wir in etwa wissen, mit welcher Besucherzahl wir rechnen können.

      Es grüßt Sie herzlich

      Rolf Schultze

  2. Doris Tews sagt:

    Habe auch einige Jahre im MBF als Magnetbandprüferin gearbeitet. 1981 hatte ich meinen Facharbeiter über die Erwachsenenbildung mit Erfolg abgeschlossen. Hätte gerne mal einen Werbefilm vom MBF gesehen, wo ich beim Prüfen der Bänder gefilmt und fotografiert wurde. Mein Nachnahme war zu dieser Zeit: DORIS KLEINDIENST vielleicht kann ich mir diesen Film bei dem nächsten MBF treffen mal ansehen.

    Mit freundlichem Gruß
    Doris Tews

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