Kleine Baugeschichte der Stadt (Buch)

Neuer Titel des Buches

Dessau – Kleine Baugeschichte der Stadt, ISBN 978-3-939197-41-6; Ⓒ Funkverlag Bernhard Hein e.K. Dessau-Roßlau, 2010,  das Buch ist vergriffen, die Neuauflage mit Architektenverzeichnis ist ab Juli 2013 im Handel erhältlich ,

siehe auch:  http://www.funkverlag.de/regionalia.html

Dessau – 800 JAHRE STADT IM WANDEL , ISBN978-3-939197-85-0

Zur Buchvorstellung am 11. November 2010 im Stadtarchiv Dessau hatten wir eine kleine Erläuterung vorbereitet, die auch hier noch Gültigkeit hat.

Wozu eine Baugeschichte der Stadt, werden Sie sagen, es ist doch eigentlich alles erklärt und erforscht: das Bauhaus, die Meisterhäuser, das Gartenreich, Siedlungen und Parks. Wir haben bei unseren Arbeiten aber doch die eine oder andere interessante Lücke entdeckt und auch die Einseitigkeiten der Beobachtung unter dem Diktat von Bauhaus und Gartenreich kennen gelernt. War das wirklich alles, was sich baulich in
Dessau abgespielt hat? Und was könnte denn nach Kriegszerstörung und Vandalismus noch übrig geblieben sein von dem ehemals harmonisch gewachsenen Stadtkern?

Ruine der Marienkirche

Bei der Beschäftigung mit der Stadtgeschichte und der Beobachtung aktueller Probleme dieser Stadt haben wir Ungleichgewichte gefunden, die zu einem Kommentar geradezu herausfordern.
Was hat den Wert und das Gewicht unserer Stadt einst ausgemacht?
Was müsste heute geschehen, um die Stadt als solche attraktiv zu machen, um sie im Bewusstsein ihrer Bürger wieder zu einer „Heimatstadt‘ zu machen?
Wie sollte ein Geschichtsbewusstsein entwickelt werden, wie eine Aneignung historischer Umstände und Geschehnisse formuliert werden, um sie den Bürgern und vor allem den jungen Menschen nahe zu bringen?
Es gibt dicke Bücher über Dessau, ältere, aber auch neue. Die Autoren dieser Bücher sind unter ganz verschiedenen Aspekten an die Stadtgeschichte herangegangen: Kultur- und Industriepolitik, Theatergeschichte und Geologie, Bau und Kunstgeschichte etc. waren Einzelthemen mit fundamentalen Untersuchungen und Erkenntnissen.

Marienkirche und Johannbau heute

Aber wer mag schon mit einem Stapel dicker Bücher unter dem Arm die Stadt erkunden. Also sollte eine Baugeschichte entstehen, klein und handlich, die alle diese Gebiete berücksichtigt, aber auch den oben genannten Gesichtspunkten gerecht wird. Und sie sollte in erster Linie nicht nur dem Fremden die Wege weisen, sondern dem Mitbürger die Augen öffnen.

Kluge, politisch weit schauende Persönlichkeiten und Entscheidungen haben die Weichen für die Entwicklung der Stadt gestellt: Fürst Franz, Hesse, Junkers, Gropius, Theater, Gemäldegalerie, um nur einige Namen zu nennen. Der damit einhergehende kulturelle, wirtschaftliche und finanzielle Wohlstand, den die Stadt einst besaß, soll hier dargestellt werden an Hand von Stadtentwicklung und Baukunst. Auch das gesellschaftliche Leben und, dies wohl nicht zu unterschätzen, die innere Bindung der Bürgers an seine Stadt, Stiftungen und Legate, die die kulturelle und industrielle Entwicklung voran gebracht und gekennzeichnet haben, spielen eine große Rolle. Der Darstellung dieser Zeit und ihrer Bauten ist ein großer Teil des Textes und der Bilder gewidmet.

(kurzer Auszug aus der Videodokumentation „Stadt im Wandel – DESSAU – Bilder und Zeiten)

Wir waren dabei nicht kleinlich in Wort und Bild. Es ist keine wissenschaftliche Arbeit entstanden, manches ist Theorie oder Vermutung, wofür wir den Beweis nicht antreten konnten. Das gilt auch für die skizzenhaften bildlichen Darstellungen, die mehr die Phantasie anregen sollen, als dass sie minutiös nachprüfbar wären. Die meisten Bauten sind ja ohnehin dem Krieg und dem politischen Willen zum Opfer gefallen.

Marienkirche um 1506

Wie soll ein neues Miteinander von Bürger und Stadt aussehen, wie kann der Bürger an seine Stadt gebunden werden, sich mit ihr identifizieren? Sicher nicht durch einsame kommunale Entscheidungen, die zwar versprechen, den Bürger mitzunehmen, ihn aber dann doch im Regen stehen lassen. Nicht durch verwaltungstechnische Willkürlichkeiten, uneinsichtiges Beharren auf einem einmal gefassten Standpunkt und selbstherrliches Regieren ist das Vertrauen der Bürger zu gewinnen, das Gegenteil wird eintreten. Allen kommunalen Verantwortlichen müsste „Stuttgart 21“ Warnung und Grund zum Nachdenken sein.

Wir haben deshalb, allen möglichen kritischen Anmerkungen zum Trotz, der Zukunft
einen schmalen Spalt im Rahmen unserer Baugeschichte geöffnet, wohl wissend,
dass man uns Dilettantismus, Weltfremdheit und Besserwisserei vorwerfen könnte.
Wir nehmen das gerne in Kauf, haben wir doch mit unseren bisherigen Arbeiten, von
denen wir einen kleinen Querschnitt in der beigefügten DVD zeigen möchten, das Los der Außenseiter manchmal bitter spüren müssen. Aber – es gab auch Zuspruch, und der lässt uns hoffen.

alter Markt mit seinen Buden

Wir beobachten Unsicherheit und Ratlosigkeit in der Fortentwicklung des Zentrums zu einem urbanen Mittelpunkt der Stadt. Wir sind nach wie vor der Meinung, dass erst eine Idee da sein muss, die möglichst alle zu berührenden Bereiche umfassen sollte, ehe vom Geld und den nötigen „Investoren“ gesprochen werden kann.
Wo sind die Ideen geblieben, die namhafte Bürger der Stadt eingebracht haben oder
einbringen wollen, wo die von den entsprechenden städtischen Ämtern selbst
entwickelten Konzepte? Wissen wirklich nur von weit her geholte Büros, was
Dessau braucht und wie es auszusehen habe, wie sein „genius loci“ funktioniert?
Wie soll Geschichtsbewusstsein entstehen, wie soll der mündige Bürger und seine Stadt eins werden in Geschichte und Gegenwart, wenn er nur den Zaungast spielen darf?

alter Markt mit neuen Buden

Wir haben ganz bewusst die Illustrationsart der Skizze gewählt, einmal um
vergangene geschichtliche Situationen darzustellen, zum anderen um Zukunftsvisionen darstellen zu können. Wer weiß schon noch, wie das Schloss zu Merians Zeiten aussah und wie der Lustgarten eines Tages vielleicht einmal wieder aussehen könnte?

Neues Schloss als Museumslandschaft

 

Bereich Schloss, Lustgarten und Markt

 

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